Kann unsere Gegenwart mit Dystopie-Thrillern mithalten?

24. August 2023
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Dystopische Gegenwartsliteratur wie "Every" von Dave Eggers beschwört apokalyptiche Zustände der Überwachung durch Technologie-Konzerne. Könnte es solche Zustände auch in der Europäischen Union geben? Ein Blick auf geseztliche Bestimmungen und einen Vergleich von Fiktion und Realität.

Bereits im letzten Jahrhundert wurden zahlreiche Bestseller im Genre der Dystopie geschrieben, die auf eine teils erschreckende Zukunft hindeuten. Auch heute sind Dystopien nicht aus dem Trend geraten, dabei geht es häufig um eine Ausuferung digitaler Dienste und künstlicher Intelligenz; so z.B. im Buch Every von Dave Eggers. Sind beschriebene Zustände wirklich mit der Realität vergleichbar? Können wir einer solchen Entwicklung noch etwas entgegenwirken?

In der Fiktionswelt von Every gibt es ein großes Technologie-Unternehmen mit Monopolstellung als Suchmaschine und Social-Media-Plattform: Every. Dieses Unternehmen regelt mit zahlreichen Apps den gesamten Alltag der Bevölkerung und kann von niemandem umgangen werden. Ob Komplimente gegenüber des Partners von einer App als Lüge enttarnt, oder Mitarbeiter mittels KI periodisch gefeuert werden, weil sie nicht produktiv genug sind, zu lange Pausen machen etc. – Every kann mittels Verwertung von Daten und Künstlicher Intelligenz alles. Auch medizinische Daten werden in einem öffentlichen Register aufgelistet, dem sich keiner entziehen kann. Könnte es solche Zustände auch bei uns in der Europäischen Union geben?

Auf den ersten Blick fallen dabei unsere Technologie-Konzerne ins Auge, Meta und Co., und wohl jeder hat bereits eine Unterschrift zur Behandlung personenbezogener Daten geben müssen – sei es nun im Fitnessstudio oder bei der Anmeldung in sozialen Medien. Personalisierte Werbung ist längst Teil unserer Realität und scheint erschreckend genau zu wissen, was wir als nächstes brauchen könnten. Teilweise fragt man sich gar, ob Gespräche belauscht werden, wenn Werbung Inhalte aus solchen direkt aufzugreifen scheint. Auch medizinische Daten sind im Zeitalter von Apple-Watches und Online-Registern (nicht wirklich dem der Steinzeit gleichenden Gesundheitssystem) scheinbar nicht weit weg vom Zugang der „Big Player“.

Bei all diesen apokalyptisch anmutenden Ansammlungen von Daten kann einem schwindelig werden – doch zum Glück haben wir dem noch etwas entgegenzusetzen: unsere Gesetze.

Während die technischen Möglichkeiten unserer Realität denen aus dem Buch in nichts nachstehen, scheinen unsere selbstgeschaffenen Systeme diesen einen Riegel vorzuschieben. So sieht z.B. die DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) im Grundsatz vor, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten stets der Kontrolle des Inhabers dieser Daten obliegen soll. Ausnahmen bedürfen ebenfalls geregelter Rechtfertigungsgründe, so z.B. dem Schutz vor Terrorismus. Insbesondere medizinischen Daten fällt dabei ein hoher Stellenwert zu, sodass ein zwingendes öffentliches Register mit medizinischen Daten der Bevölkerung als unmöglich erscheint. Auch die Verarbeitung von Daten durch soziale Medien und Verkaufsplattformen darf ausdrücklich nur nach Zustimmung erfolgen. Ein Versuch von Meta, diese Regelung zu umgehen, ist gescheitert.

Die enorme Komplexität und Anzahl der möglichen Eingriffe erfordert zahlreiche gesetzliche Bestimmungen – so z.B. den DSA (Digital Services Act), den DMA (Digital Markets Act), den DGA (Data Governance Act), sowie die KI-VO (Verordnung über Künstliche Intelligenz). Diese regulieren unterschiedliche Bereiche und wirken den weiteren Problemen, die auch im Buch aufgegriffen werden, entgegen.

Mit fortschreitenden technologischen Möglichkeiten braucht es kluge und kreative Köpfe, die gesetzliche Regelungen zur Eindämmung dystopischer Zustände ausarbeiten. Dabei schadet es wahrscheinlich nicht, ab und zu einen Roman wie Every zu lesen. Bislang scheint bei Betrachtung der gesetzlichen Bestimmungen der EU in diesem Bereich vieles richtig zu laufen, sodass Every nicht als Beschreibung unserer Realität, sondern als (warnende) Fiktion zu verstehen ist.

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