Urteile aus der Kategorie „Urteile“

30. September 2026 Top-Urteil

BGH bestätigt Löschung der Farbmarke OBI-Orange

Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 17. September 2026, Az.: I ZB 58/25

Der Bundesgerichtshof hat die Löschung der abstrakten Farbmarke „Orange (RAL 2008)“ für Einzelhandelsdienstleistungen im Bereich von Bau- und Heimwerkerartikeln bestätigt. Für die Beurteilung der Verkehrsdurchsetzung ist die Gesamtbevölkerung maßgeblich, weil bei jedem Verbraucher ein Bedarf an solchen Artikeln entstehen kann. Ein vom Markeninhaber vorgelegtes demoskopisches Gutachten kann durch ein abweichendes Gegengutachten erschüttert werden, auch wenn dieses nicht die Methodik, sondern das Ergebnis des ersten Gutachtens in Frage stellt. Verbleibende Zweifel an der Verkehrsdurchsetzung gehen im Löschungsverfahren zulasten des Markeninhabers, ohne dass das Bundespatentgericht von Amts wegen ein weiteres demoskopisches Gutachten einholen muss.

Weiterlesen mehr Top-Urteile
01. Oktober 2026

Veganer Likör darf nicht als Eierlikör-Alternative beworben werden

Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts vom 16.09.2026, Az.: 6 U 49/25

Ein veganer Likör darf den Namen „Likör ohne Ei“ tragen. Unzulässig sind dagegen die beanstandeten Werbeaussagen, die das Produkt als Alternative zu Eierlikör oder als geschmacklich vergleichbar darstellen. Auch eine indirekte Anspielung auf die geschützte Bezeichnung in einem Werbenewsletter ist untersagt. Der Produktname und das Etikett mit einer Hahnabbildung stellen hingegen keine unzulässige Bezugnahme auf die Spirituosenkategorie dar.

Weiterlesen
01. Oktober 2026

Plattform haftet für Fake-Profile und Investmentbetrug

Urteil des LG Frankfurt am Main vom 16.09.2026, Az.: 2-06 O 234/25

Eine Social-Media-Plattform haftet unmittelbar für gefälschte Profile und Beiträge, die ohne Zustimmung den Namen und die Bilder eines Finanzexperten sowie das Kennzeichen seines Unternehmens verwenden. Durch die algorithmische Steuerung der Inhalte übt sie eine Kontrolle aus, die nach dieser Entscheidung die Haftungsprivilegierung ausschließt. Die Betroffenen können Unterlassung und Auskunft sowie dem Grunde nach Schadensersatz und eine Geldentschädigung verlangen. Urheberrechtliche Ansprüche des Unternehmens scheiterten hingegen am fehlenden Nachweis ausschließlicher Nutzungsrechte; im Übrigen wurde die Klage teilweise abgewiesen.

Weiterlesen
01. Oktober 2026

Politische Parodie kann bekannte Marken rechtfertigen

Urteil des EuGH vom 08.09.2026, Az.: C-298/23

Die Meinungsfreiheit kann die Nutzung bekannter Marken für politische Äußerungen und Parodien rechtfertigen, wenn sie nach einer Abwägung die Markenrechte überwiegt. Anlass war eine Kampagne von Vlaams Belang, die einen Plan zur Einwanderungspolitik mit IKEA-Marken und an Montageanleitungen angelehnten Illustrationen präsentierte. Entscheidend sind insbesondere der Zweck der Nutzung, ihr Beitrag zu einer öffentlichen Debatte und mögliche Nachteile für den Markeninhaber. Die bloße Ausnutzung der Markenbekanntheit zur Verstärkung einer politischen Botschaft genügt nach den Hinweisen des EuGH hier voraussichtlich nicht; die abschließende Prüfung obliegt dem belgischen Gericht.

Weiterlesen
24. September 2026

LG Traunstein: Datenleck allein beweist keinen DSGVO-Verstoß

Urteil des LG Traunstein vom 17.07.2026, Az.: 9 O 1560/24

Ein erfolgreiches Datenleck oder ein Hackerangriff beweist für sich genommen keinen Verstoß gegen die Sicherheitsanforderungen der DSGVO. Für einen Schadensersatzanspruch nach Art. 82 DSGVO muss der Betroffene insbesondere seine konkrete Betroffenheit, einen ersatzfähigen Schaden und dessen Kausalität nachweisen. Ein Eintrag auf einer Plattform zur Ermittlung früherer Datenlecks sowie pauschale Angaben zu Kontrollverlust, Sorgen oder Spam genügten dem LG Traunstein hierfür nicht. Einen Unterlassungsantrag, der lediglich Sicherheitsmaßnahmen nach dem „Stand der Technik“ verlangt, hielt das Gericht zudem für zu unbestimmt.

Weiterlesen
24. September 2026

Zustimmung zur Preiserhöhung nicht durch Drehkreuz-Passage

Urteil des OLG München vom 03.09.2026, Az.: 29 U 4043/23 e

Die Zustimmung von Fitnessstudiomitgliedern zu einer Preiserhöhung darf nicht dadurch herbeigeführt werden, dass sie nach einem entsprechenden Aushang das Drehkreuz am Eingang passieren. Die Verknüpfung des Zutritts zum Studio mit der vermeintlichen Zustimmung zur Beitragserhöhung stellt eine aggressive geschäftliche Handlung in Form einer unzulässigen Beeinflussung dar. Mitglieder werden dadurch vor die Wahl gestellt, entweder die Preiserhöhung zu akzeptieren oder auf die vertraglich geschuldete Nutzung des Studios zu verzichten. Für den Wettbewerbsverstoß der Franchisenehmer haftet auch die Franchisegeberin, wenn die Handlung innerhalb ihrer Betriebsorganisation erfolgt und ihr wirtschaftlich zugutekommt.

Weiterlesen
11. September 2026

EuGH begrenzt Veröffentlichung von Daten aller Aktionäre

Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 03.09.2026, Az.: C-798/24

Das Unionsrecht verlangt nicht, Informationen über sämtliche Aktionäre einer Aktiengesellschaft einschließlich ihrer Minderheitsaktionäre offenzulegen. Die frei zugängliche Online-Veröffentlichung personenbezogener Daten aller Aktionäre stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Rechte auf Privatleben und Datenschutz dar. Eine Veröffentlichung ohne Zugangsbeschränkung oder Nachweis eines berechtigten Interesses ist für die Ziele der Unternehmenstransparenz, Geldwäscheprävention und Sanktionsdurchsetzung weder erforderlich noch verhältnismäßig. Weniger eingriffsintensive Maßnahmen wie ein beschränkter Zugang für Personen mit berechtigtem Interesse sind vorzuziehen.

Weiterlesen
11. September 2026

1.500 Euro Schadensersatz wegen Kontrollverlust über Nutzerdaten

Urteil des OLG München vom 26.06.2026, Az.: 36 U 1054/25 e

Das OLG München untersagte einem Betreiber eines sozialen Netzwerks, personenbezogene Daten eines Nutzers mittels Business Tools auf Drittseiten und -Apps ohne ausreichende datenschutzrechtliche Rechtfertigung zu verarbeiten. Der Betreiber ist für die Datenerhebung mitverantwortlich, wenn er die technischen Werkzeuge bereitstellt und die Kontrolle darüber behält, welche Daten erhoben und übermittelt werden. Wegen des dadurch eingetretenen Kontrollverlusts sprach das Gericht dem Nutzer 1.500 Euro immateriellen Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO zu. Der Feststellungsantrag sowie Teile des Löschungs- und Anonymisierungsbegehrens und die Forderung nach weitergehendem Schadensersatz blieben ohne Erfolg.

Weiterlesen
11. September 2026

Keine Lizenzpflicht für Kabel-TV im Seniorenwohnheim

Urteil des Bundesgerichtshofs vom 3. September 2026, Az.: I ZR 35/23

Die zeitgleiche, unveränderte und vollständige Weiterleitung von Rundfunkprogrammen über das interne Kabelnetz eines Seniorenwohnheims in die Bewohnerzimmer greift nicht in das Weitersenderecht der Sendeunternehmen ein. Zwar stellt die Signalweiterleitung eine Handlung der Wiedergabe dar. Es fehlt jedoch an einem spezifischen technischen Verfahren und an einem neuen Publikum, weil die Bewohner die Sendungen im privaten Kreis empfangen. Der BGH wies deshalb die Revision der klagenden Verwertungsgesellschaft gegen die Abweisung ihrer Unterlassungsklage zurück.

Weiterlesen
10. September 2026 Top-Urteil

EuGH: Auch kurze Social-Media-Texte können Werke sein

Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union vom 3. September 2026, Az.: C-598/24

Ein in einem sozialen Netzwerk veröffentlichter kurzer Text kann urheberrechtlich als Werk geschützt sein, wenn er eine eigene geistige Schöpfung darstellt und die Persönlichkeit seines Urhebers widerspiegelt. Für die Beurteilung sind insbesondere die bei Auswahl, Anordnung und Kombination der Wörter getroffenen freien kreativen Entscheidungen maßgeblich. Bei der Berichterstattung über Tagesereignisse dürfen Mitgliedstaaten die erlaubte Nutzung geschützter Werke grundsätzlich auf kurze Auszüge beschränken, sofern dies verhältnismäßig ist und die praktische Wirksamkeit der Ausnahme gewahrt bleibt. Ein generelles Verbot, aus einer solchen Nutzung einen unmittelbaren oder mittelbaren geschäftlichen oder wirtschaftlichen Vorteil zu ziehen, ist dagegen mit Art. 5 Abs. 3 Buchst. c der Richtlinie 2001/29 nicht vereinbar.

Weiterlesen
Jetzt zum Newsletter anmelden!

Erlaubnis zum Versand des Newsletters: Ich möchte regelmäßig per E-Mail über aktuelle News und interessante Entwicklungen aus den Tätigkeitsfeldern der Anwaltskanzlei Hild & Kollegen informiert werden. Diese Einwilligung zur Nutzung meiner E-Mail-Adresse kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen, in dem ich z. B. eine E-Mail an newsletter [at] kanzlei.biz sende. Der Newsletter-Versand erfolgt entsprechend unserer Datenschutzerklärung.

n/a