Urteile aus der Kategorie „Prozessrecht“

30. September 2026 Top-Urteil

BGH bestätigt Löschung der Farbmarke OBI-Orange

Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 17. September 2026, Az.: I ZB 58/25

Der Bundesgerichtshof hat die Löschung der abstrakten Farbmarke „Orange (RAL 2008)“ für Einzelhandelsdienstleistungen im Bereich von Bau- und Heimwerkerartikeln bestätigt. Für die Beurteilung der Verkehrsdurchsetzung ist die Gesamtbevölkerung maßgeblich, weil bei jedem Verbraucher ein Bedarf an solchen Artikeln entstehen kann. Ein vom Markeninhaber vorgelegtes demoskopisches Gutachten kann durch ein abweichendes Gegengutachten erschüttert werden, auch wenn dieses nicht die Methodik, sondern das Ergebnis des ersten Gutachtens in Frage stellt. Verbleibende Zweifel an der Verkehrsdurchsetzung gehen im Löschungsverfahren zulasten des Markeninhabers, ohne dass das Bundespatentgericht von Amts wegen ein weiteres demoskopisches Gutachten einholen muss.

Weiterlesen mehr Top-Urteile
01. Oktober 2026

BGH legt Reichweite der DSGVO-Haushaltsausnahme dem EuGH vor

Der BGH hat dem EuGH vier Fragen zur Reichweite der Haushaltsausnahme des Art. 2 Abs. 2 Buchst. c DSGVO vorgelegt. Ausgangspunkt ist die Weiterleitung privater WhatsApp-Nachrichten durch die Beklagte an die Lebensgefährtin und Office-Managerin des Arbeitgebers der Klägerin. Zu klären ist insbesondere, ob der Zweck der Datenverarbeitung und ein beruflicher oder wirtschaftlicher Bezug zu Tätigkeiten Dritter bei der Einordnung als ausschließlich persönliche Tätigkeit zu berücksichtigen sind. Bis zur Vorabentscheidung des EuGH hat der BGH das Revisionsverfahren ausgesetzt.

Weiterlesen
30. September 2026

Keine isolierte Gestattung für TikTok-Bestandsdaten

Beschluss des OLG Nürnberg vom 15.09.2026, Az.: 3 W 1489/26

Für die Herausgabe von Bestandsdaten zur Verfolgung urheberrechtlicher Ansprüche bedarf es nach § 21 Abs. 1 TDDDG grundsätzlich keiner isolierten gerichtlichen Gestattung. Lehnt der Plattformbetreiber die Auskunft ab, muss der Rechteinhaber seinen materiell-rechtlichen Auskunftsanspruch vor dem zuständigen Gericht verfolgen. Für einen auf Persönlichkeitsrechtsverletzungen gestützten Antrag gegen einen in Irland ansässigen Plattformbetreiber fehlt deutschen Gerichten nicht schon wegen der Rechtsverletzung eines Plattformnutzers die internationale Zuständigkeit nach Art. 7 Nr. 2 EuGVVO. Das OLG Nürnberg hob deshalb den Beschluss des Landgerichts Regensburg auf und verwarf den Antrag.

Weiterlesen
24. September 2026

LG Traunstein: Datenleck allein beweist keinen DSGVO-Verstoß

Urteil des LG Traunstein vom 17.07.2026, Az.: 9 O 1560/24

Ein erfolgreiches Datenleck oder ein Hackerangriff beweist für sich genommen keinen Verstoß gegen die Sicherheitsanforderungen der DSGVO. Für einen Schadensersatzanspruch nach Art. 82 DSGVO muss der Betroffene insbesondere seine konkrete Betroffenheit, einen ersatzfähigen Schaden und dessen Kausalität nachweisen. Ein Eintrag auf einer Plattform zur Ermittlung früherer Datenlecks sowie pauschale Angaben zu Kontrollverlust, Sorgen oder Spam genügten dem LG Traunstein hierfür nicht. Einen Unterlassungsantrag, der lediglich Sicherheitsmaßnahmen nach dem „Stand der Technik“ verlangt, hielt das Gericht zudem für zu unbestimmt.

Weiterlesen
10. September 2026

OLG Köln: DSGVO-Auskunft zur Rückforderung von Glücksspielverlusten

Beschluss des Oberlandesgerichts Köln vom 30.07.2026, Az.: 19 U 153/25

Eine DSGVO-Auskunft über Spiel-, Wett- und Zahlungsvorgänge kann im Rahmen einer Stufenklage dazu dienen, Rückforderungsansprüche aus Online-Glücksspiel und Sportwetten zu beziffern. Der Auskunftsanspruch nach Art. 15 DSGVO hängt nicht davon ab, zu welchem Zweck die betroffene Person die erhaltenen Informationen verwenden möchte. Ein wirtschaftliches Interesse des Glücksspielanbieters an der Abwehr späterer Zahlungsansprüche rechtfertigt keine Beschränkung des Auskunftsrechts. Nach übereinstimmender Erledigungserklärung legte das OLG Köln den Beklagten die Kosten des Berufungsverfahrens auf, weil ihre Berufung nach dem bisherigen Sach- und Streitstand keinen Erfolg gehabt hätte.

Weiterlesen
10. September 2026

Portalbetreiber muss Unterlagen zu Bewertung offenlegen

Pressemitteilung des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 08.09.2026 zum Beschluss vom 31.08.2026, Az.: 16 W 40/26

Ein Portalbetreiber muss einem von einer Unternehmensbewertung Betroffenen Unterlagen zugänglich machen, die er vom Bewertenden zur Überprüfung eines behaupteten Geschäftskontakts erhalten hat. Andernfalls kann der Betroffene die behauptete Rechtsverletzung bei einer unter Pseudonym abgegebenen Bewertung nicht hinreichend konkret darlegen. Nach der Pressemitteilung verletzte die Portalbetreiberin ihre Prüf- und Verhaltenspflichten, weil sie die erhaltenen Unterlagen dem bewerteten Unternehmen nicht übermittelte. Nachdem der Geschäftskontakt erst im Prozess nachgewiesen und der Rechtsstreit für erledigt erklärt worden war, verblieb es bei der Kostentragung durch die Beklagte.

Weiterlesen
26. August 2026

Markenwiderspruch per Fax ohne Unterschrift ist unzulässig

Beschluss des Bundespatentgerichts vom 30. Juli 2026, Az.: 30 W (pat) 4/26

Ein Markenwiderspruch muss grundsätzlich eigenhändig unterschrieben sein, wenn er in Papierform oder mittels herkömmlichen Telefax eingereicht wird. Eine lediglich maschinen- oder computerschriftliche Namensangabe genügt dem Schriftformerfordernis nicht. Die für Computerfaxe anerkannten Ausnahmen greifen bei einem über das Faxgerät einer Rechtsanwaltskanzlei versandten Schriftsatz nicht ein. Das Bundespatentgericht bestätigte daher die Verwerfung des Widerspruchs als unzulässig und wies die Beschwerde der Widersprechenden zurück.

Weiterlesen
26. August 2026

Keine Bösgläubigkeit bei Anmeldung der Marke „Testa Rossa“

Beschluss des Bundespatentgerichts vom 11.08.2026, Az.: 30 W (pat) 48/21

Die Anmeldung der Marke „Testa Rossa“ für zahlreiche Verbraucherwaren war nicht nachweisbar bösgläubig. Auch bei unterstelltem schutzwürdigem Besitzstand und einer Bekanntheit der älteren Bezeichnung reichen die festgestellten Umstände nicht aus, um eine unlautere Behinderungsabsicht des Markeninhabers anzunehmen. Die Vielzahl weiterer „Testa Rossa“-Anmeldungen und ein mögliches künftiges Lizenzgeschäft begründen für sich genommen ebenfalls keine Bösgläubigkeit. Das Bundespatentgericht wies deshalb sowohl die Beschwerde gegen die Ablehnung des Nichtigkeitsantrags als auch die Kostenbeschwerde des Markeninhabers zurück.

Weiterlesen
24. August 2026

Irreführende Tierarzneimittelwerbung mit Kundenbewertungen

Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts Hamburg vom 15.07.2026, Az.: 3 W 33/26

Ein Unternehmen darf Kundenbewertungen von Tierärzten nicht ohne Einschränkung zur Werbung für ein Tierarzneimittel verwenden, wenn dadurch allgemein zu erwartende Behandlungserfolge suggeriert werden. Wer solche Bewertungen selbst in seine Werbung einbindet, haftet für deren Aussagen als Täter. Unbelegte Behauptungen über eine überlegene Wirkung, vollständige Beschwerdefreiheit oder eine uneingeschränkte Empfehlung können auch gegenüber Tierärzten irreführend sein. Das OLG Hamburg änderte den Beschluss des Landgerichts teilweise ab und untersagte die angegriffenen elf Werbeaussagen im Wege der einstweiligen Verfügung.

Weiterlesen
24. August 2026

Verspätete Löschung: Meta muss 75.000 Euro Ordnungsgeld zahlen

Beschluss des OLG Frankfurt am Main vom 28.07.2026, Az.: 16 W 32/26

Das OLG Frankfurt am Main hat ein gegen Meta verhängtes Ordnungsgeld wegen verspäteter Löschung untersagter Facebook-Posts von 100.000 Euro auf 75.000 Euro reduziert. Nach Auffassung des Senats handelte Meta nicht vorsätzlich, sondern grob fahrlässig, weil die beanstandeten Inhalte erst 15 beziehungsweise 17 Tage nach Zustellung der Unterlassungsverpflichtung entfernt wurden. Eine strukturell bedingte oder taktisch motivierte Missachtung gerichtlicher Anordnungen konnte der Senat nach den Angaben in der Pressemitteilung nicht feststellen. Auch die Auswirkungen der verzögerten Löschung rechtfertigten wegen des Alters und der dadurch gesunkenen Reichweite der Posts kein höheres Ordnungsgeld.

Weiterlesen
Jetzt zum Newsletter anmelden!

Erlaubnis zum Versand des Newsletters: Ich möchte regelmäßig per E-Mail über aktuelle News und interessante Entwicklungen aus den Tätigkeitsfeldern der Anwaltskanzlei Hild & Kollegen informiert werden. Diese Einwilligung zur Nutzung meiner E-Mail-Adresse kann ich jederzeit für die Zukunft widerrufen, in dem ich z. B. eine E-Mail an newsletter [at] kanzlei.biz sende. Der Newsletter-Versand erfolgt entsprechend unserer Datenschutzerklärung.

n/a